Geschichte

BÄDER UND GÜNSTIGES ESSEN FÜRS VOLK 1910

wurde im Zürcher Quartier Aussersihl das Volkshaus erbaut. Heute finden in dem altehrwürdigen Gebäude vornehmlich Konzerte statt. Urprünglich geplant und ausgeführt wurde aber etwas ganz anderes.

Das Volkshaus war auch immer Ort politischer Versammlungen: Jugendliche halten am 17. September 1980 im Volkshaus von Zürich die Jugenhaus Vollversammlung ab, nachdem das Autonome Jugendzentrum (AJZ) Anfang des Monats geschlossen worden war. Die Jugendunruhen in Zürich begannen am 30. Mai 1980 mit Protesten gegen die Subventionierung des Opernhauses. (key)

Zu Ende des 19. Jahrhunderts war das Aussersihl-Quartier eine sehr arme Gegend, bewohnt von vielen Einwanderern und anderen Menschen mit wenig Geld. Entsprechend unzureichend waren die sanitären Einrichtungen im Quartier - die Wohnungen hatten oft kein fliessend Wasser, geschweige denn Badezimmer, wie Hannes Lindenmeyer, Präsident des Historischen Vereins Aussersihl, berichtet.

Arme Menschen werden schneller und öfter krank und die prekären hygienischen Verhältnisse trugen dazu bei, dass sich Krankheiten und Seuchen, wie die Cholera, schnell ausbreiteten und dann auch auf andere, «bessere» Quartiere übergriffen.

So wurden im 1910 nach langer Vorarbeit erbauten Volkshauses 29 Bäder und 20 Douchen für die Quartierbewohner eingerichtet. Der Erfolg der Bäder hat von allem Anfang an alle Erwartungen übertroffen: Schon das erste Betriebsjahr brachte 114‘000 Badebenützer. Im Jahre 1916 wurde mit 164‘000 die höchste Badefrequenz erreicht. Und auch zwischen 1951 bis 1960 besuchten jährlich noch 45‘00 Menschen die Bäder.

Und während man sich im Keller der Körperpflege widmen konnte, durfte im Restaurant Erdgeschoss zu günstigen Preisen gegessen werden.

Alkoholverbot
Da die Alkoholsucht im Aussersihl weitverbreitet war, was zu gesundheitlichen Problemen und Gewalt in der Quartierbevölkerung führte, wurde für das ganze Volkshaus ein Alkoholverbot verhängt - und bis 1979 aufrecht erhalten.